Übers Pendeln und den Nahverkehr im Ruhrgebiet
Jede Stunde das gleiche Spiel. Um 16 Minuten nach Voll fährt meine Strassenbahn und ist normalerweise in 8 Minuten am Hauptbahnhof. Dort verbleiben 7 Minuten, um den Zug nach Dortmund zu erwischen. Eigentlich kein Problem. Doch in jüngster Zeit ist die Kulturlinie 107 relativ unpünktlich. Wiederholt erreichte ich nur mit Mühe den Anschlußzug.
Auch heute wäre es wohl wieder sehr knapp gewoden. Denn die Strassenbahn kam verspätet zur Haltestelle, hielt unendlich Zeit an einer großen Strassenkreuzung und wartete lange auf die Einfahrt in den U-Bahn-Tunnel. Um Halb war ich endlich am Hauptbahnhof und rannte im Laufschritt die Treppen zum "Oberdeck" hinauf. Dabei fiel - noch auf der letzten Rolltreppe - mein Blick auf das Digitaldisplay am Bahnsteig. Dort stand nüchtern: "Zug fällt heute aus!"
Ebenfalls noch auf der Treppe drang dann auch eine Lautsprecherdurchsage an mein Ohr. "Der Regional-Express nach Hamm, Abfahrt 08:31 fällt heute wegen eines Triebwerkschadens aus." Warum klingen diese Durchsagen eigentlich immer so pedantisch und unfreundlich? Ist es denn so schwer, sich bei den Fahrgästen, die Kunden sind, für diese Panne zu entschuldigen?
Als Pendler im Ruhrgebiet ist man Verspätungen oder Zugausfälle ja grundsätzlich gewöhnt. Daher hat man immer auch alternative Verbindungen, die zum Ziel führen, im Kopf. Während ich noch über meine Optionen nachdachte, hallte die : "Reisende in Richtung Dortmund nehmen bitte die NOKIA-Bahn nach Bochum Hauptbahnhof" durch den Bahnhof.
Gute Idee, aber eigentlich müßte dieser Zug doch bereits den Bahnhof verlassen. Denn der private Bahnbetreiber dieser Verbindung fährt in der Regel sehr pünktlich. Oft habe ich mich gefragt, warum zwei Züge, die von Gelsenkirchen nach Wanne-Eikel fahren, auf die Minute zeitgleich in Gelsenkirchen abfahren und sich dann auf der Strecke zum nächsten Bahnhof ein Wettrennen liefern.
Doch diesmal habe ich Glück. Der Zug des privaten Bahnbetreibers ist noch gar nicht da! Während ich zu Gleis 25 - die Nummerierung der Bahnsteige in Gelsenkirchen ist ein ganz anderes Thema - hinaufsteige ertönt: "An Gleis 25 wird jetzt für Sie bereitgestellt ... ". Ich frage mich, warum der private Bahnbetreiber eigentlich an einem Bahnsteig ohne Rolltreppe fahren muss und erreiche um 9 Uhr den Hauptbahnhof in Bochum. Dort bringt mich 5 Minuten später ein Regional-Express nach Dortmund und schließlich mit gut 15 Minuten Verspätung, die ich natürlich sofort meinem Verspätungskonto gutschreibe, im Büro eintreffe.
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