Was lesen Sie eigentlich im Zug?

Ein gutes Buch, Mangas, die BILD, den Kicker oder eine der offensichtlichen zahlreichen Frauenzeitschriften? Viel Lesestoff macht die Nahverkehrshelden ratlos. Doch es ist wie eine Sucht, denn trotz des einsetzenden Fremdschämens können wir mit unter den Blick nicht vom fremden Lesegut lassen. Immerhin gibt es eine Möglichkeit, wie Sie sich unserem Mitlesen entziehen können.

Seit fünf Jahren pendeln die Nahverkehrshelden mit dem Zug. In dieser Zeit haben wir uns oft die Frage nach dem Zusammenhang zwischen der Lektüre und dem Kopf dahinter gestellt. Denn nicht hinter jedem Lesestoff verbirgt sich offensichtlich ein kluger Kopf. Anders können wir uns nicht erklären, was wir manchmal für einen Mist als Mitleser konsumieren dürfen. Viele der Schlagzeilen verursachen Schmerzen. Fast möchte man den Leser, der uns seinen Lesestoff quasi unter die Nase hält, dafür zur Verantwortung ziehen.

Ein paar Auszüge aus einer ganz normalen Fahrt gefällig?

“Sandy überfordert”

Schön, aber hier sitzt der Dummkopf wohl auf dieser Seite der bunten Illustrierten. Denn auch die großen Bilder des gegenüber von uns genussvoll konsumierten Presseorgans helfen uns nicht weiter. Wer auch immer mag Sandy sein? Für uns ist Sie nur eine Bildungslücke.

Irgendwie hat die Leserin eine gewisse Ähnlichkeit mit der Person, deren Vorname den Lesern dieser Zeitung offensichtlich auch in Kurzform geläufig zu sein scheint. Gibt es eigentlich einen Internet-Dienst, der einem sein persönliches buntes Blatt erstellt und damit das eigene Ego befriedigt?

Wenn wir darüber jetzt länger nachdenken, springt uns vermutlich irgendwann eine Feder aus dem Hut.

Auch schön: “Beine Busen Po Ihre Körper sind Millionen wert”

Etwas weiter hinten ist eine Leserin in diese, insbesondere von der Interpunktion her interessante, Schlagzeile vertieft. Für uns wiegt dieser Fall einfacher, denn bereits beim ersten Blick sind wir sicher, dass in diesem Fall eine gewisse Diskrepanz zwischen der Leserin und Schlagzeile besteht.

Obwohl wir uns auch hier natürlich nicht ganz sicher sind, aber vermutlich ist hier nicht die Leserin gemeint. Denn für Übergewicht gibt es keine Prämie. Die Schlagzeile muss doch irgendwie mit den abgebildeten Personen in einem Zusammenhang stehen.

Der Blick schweift weiter zu einem dynamischen iPad Nutzer, der sich inzwischen gegenüber von uns niedergelassen hat. Auch er scheint zu lesen. Doch dank moderner Technik entzieht er sich unserer Neugierde. Die Rückseite seines Geräts offenbart seine Lektüre nicht.

Wir sind nicht sicher, ob das ein Fortschritt ist. Schließlich werden wir so nie erfahren, wer Sandy ist.

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Hatte das Vergnügen in den 1970er-Jahren in einem ausgesprochen automobilen Umfeld aufzuwachsen. Dies wirkt offensichtlich bis heute nach. Denn Autos und Oldtimer beschäftigen den Auto Native bis heute. Dazu interessieren ihn Politik, Geschichte und Mobilität.

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