Übers Pendeln und den Nahverkehr im Ruhrgebiet
Heute wurde es im Büro irgendwie später als sonst. Schnell noch die Zahlen für den Chef aufbereitet. Kurz noch eine Mail fertiggestellt. Und schon reichte die Zeit nicht mehr, um pünktlich am Hauptbahnhof zu sein.
Die fünf Stationen, die ich jeden Tag mit der U-Bahn fahre, zogen sich endlos hin. An der ersten Station erhasche ich einen Blick auf die Bahnhofsuhr. Sie zeigt 17:58. Um 18:03 fährt meine Regionalbahn.
Eine überschlägige Berechung ergab: Um 18:02 müßte dieser Zug im Hauptbahnhof sein. Das warf die nächsten Fragen auf. Gehen die Uhren eigentlich genau? Kann es die Wegstrecke von der U-Bahn bis zum Gleis in 1 Minute schaffen? Könnte der Regionalexpress - heute wo ich es gebrauchen könnte - einmal zu spät sein?
Schon auf dem Gleis stockte der Verkehr. Das ist ja wie mit dem Auto, schoss es mir irgendwie durch den Kopf. Stau hatte ich da immer genug. Deshalb fahre ich ja mit dem Zug.
Auf der Rolltreppe kein Vorbeikommen. Im Vorweihnachtsstress sind alle mit großen Tüten beladen. Endlich scheint der Aufschwung bei den Leuten angekommen zu sein. Doch es bleiben Zweifen - nicht nur zur Konjunktur.
Am Fusse der Treppe zu Gleis 21 höre ich die Türen meines Zuges knallen. Auf den ersten Stuffen dringt "Und AB!" zu meinen Ohren vor. Endlich erreiche ich das Gleis. Wie in Zeitlupe setzt sich der Zug in Bewegung. Eine Tür ist noch offen.
Im langen Wintermantel und der Laptoptasche auf der Schulter entscheide ich: "Nein!" Die Actionhelden im Kino hätten das bestimmt hinbekommen. Doch als Nahverkehrsheld bleibt das wohl ein Wunschdenken.
Ich sehe genau hin. Was lächelt mich da an? Grinst der Schaffner, der in der Tür steht? Ich denke ja. So sieht also die Freundlichkeitsoffensive der Bahn aus denke ich und mache auf dem Absatz kehrt.
In vier Minuten fährt am anderen Ende des Bahnhofs die S-Bahn. Sie nimmt fast die gleiche Strecke, ist aber erst gute 15 Minuten später zu Hause. Ich frage mich: Wer macht eigentlich solche Fahrpläne?
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