Übers Pendeln und den Nahverkehr im Ruhrgebiet
Es gibt Service, der ist so abstoßend und grauenhaft, da muß die Konsumentenseele erstmal eine Nacht zur Verdauung schlafen, um beim Kommentar nicht ausfallend zu werden. Die »eurobahn« sorgte gestern Abend in Dortmund für solch ein Erlebnis. Denn sie schickte ihre Fahrgäste nach dem Einsteigen zurück in die Kälte, um eine absurde Rangierfahrt durchzuführen.
Im Büro war es etwas später geworden. Um 19:03 sollte es endlich nach Hause gehen. Kaum am Bahnsteig angekommen rollte der Regionalexpress 3 pünktlich in den Bahnhof ein. Alles wird gut, dachten die Nahverkehrshelden und freuten sich über den Doppelzug, den sie erblickten. Sollte die »eurobahn« etwa endlich das Fahrgastaufkommen richtig einschätzen können?
Denn die eurobahn teilte den Zug. Ein Teil werde sich auf den Weg nach Hamm machen, der andere Teil werde zurück nach Düsseldorf fahren, wurde über die Zugzielanzeiger und über Lautsprecher durchsagen mitgeteilt. Erstaunlich schnell sortierten sich die Fahrgäste in die beiden Zugteile.
Dann passierte zunächst nichts. Erst gut fünf Minuten nach der geplanten Abfahrtzeit gab es ein Lebenszeichen. Lautsprechergequake forderte die Fahrgäste zum Verlassen des hinteren Zugteils auf. Man würde jetzt mit dem Zug rangieren und dabei könnten aus Sicherheitsgründen leider keine Fahrgäste an Bord bleiben.
Es regte sich ein gewisser Unmut, doch tatsächlich verließen alle Fahrgäste den hinteren Zugteil, um bei Minustemperaturen von rund 10 Grad auf das Ende dieser Arbeiten zu warten. Prompt setzte sich die hintere Hälfte des Zugs in Bewegung und verließ leer den Bahnsteig. Gleichzeitig nahm der vordere Teil des Zugs fast planmäßig seine Reise nach Hamm auf.
Fahrgäste am Bahnsteig - Doch die eurobahn rangiert lieber und läßt die Fahrgäste in der Kälte stehen.
Zurück in der Kälte blieben allein die Fahrgäste mit dem Ziel des mittleren oder westlichen Ruhrgebiets. Sie fügten sich in Ihr Schicksal und warteten. Und spätestens seit gestern wissen die Nahverkehrshelden, das auch 10 Minuten bei minus 10 Grad wirklich lang werden können! Dann endlich kehrte der Zug zurück. Auf dem Bahnhofsvorfeld hatte man ihn mit einem weiteren Zug der Eurobahn verbunden.
Abgesehen davon, dass diese Aktion wieder einmal 15 Minuten für das persönliche Verspätungskonto einbrachte, fragt man sich als Fahrgast natürlich, warum lassen die Komiker von der eurobahn den Zug, der da offensichtlich auf dem Bahnhofsvorfeld geparkt war, nicht einfach nach Hamm fahren und sparen sich die sinnlose Aktion. Denn dann hätten die Fahrgäste nicht unnötigerweise 10 Minuten in der Kälte stehen müssen und wären zudem auch noch pünktlich nach Hause gekommen.
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