Gespräche aus der Bahn: "Die doch auch nicht!"

veröffentlicht am 08.05.2010, 07:15

Inzwischen fährt die Eurobahn einige Wochen mit ihrem lange auch hier so schmerzlich vermissten neuem Zugmaterial. Als Kunde dieses Bahnunternehmens kann jetzt nur wenig meckern, sofern man nicht zu Stoßzeiten unterwegs ist. Denn meistens bedient die Eurobahn die Strecke des RE3 mit einfachen Zügen.

Sie verzichtet also meistens darauf zwei Züge zu verbinden, um ihren Kunden mal etwas mehr Platz anzubieten. Selbst gestern, als offensichtlich ein Großteil der Teilnehmer eines neuen Weltrekords mit dem Zug nach Gelsenkirchen unterwegs waren, fuhr nur ein Solo-Zug. Die Folge waren zum Teil chaotische Szenen im völlig überfüllten Fahrgastraum. Und auch das Erlebnis, dass es endlich in Gelsenkirchen angekommen, am Bahnsteig ungewöhnlich stark nach Bremse roch, soll uns ausnahmsweise einmal nicht weiter beunruhigen.

Nun könnte man meinen, dass das den Nahverkehrshelden die Platzfrage egal sein könnte. Denn sie hatten einen Sitzplatz ergattert. Doch wie der Zufall es wollte, drang dort ein interessantes Gespräch an unsere Ohren vor.

Stimme 1: "Scheiße, wieder kein Platz. Die schaffen es noch nicht einmal bei einem besonderen Anlaß ihre Kapazität anzupassen."

Stimme 2: "Wieso, was ist denn los?"

Stimme 1: "In Gelsenkirchen werden fast 80.000 Zuschauer zu einem Eishockey-Spiel erwartet. Da sollte man als Bahnunternehmen, das hier fährt, eigentlich mal reagieren."

Stimme 2: "Oh, von dem Spiel habe ich gar nichts mitbekommen."

Stimme 1: "Naja, Du bist ja auch kein professionelles Bahnunternehmen."

Stimme 2: "Die doch auch nicht!"

Bisher kommentiert:


1
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Stimmt
Sunday, den 16. May 2010 um 09:23
Fahrgastmund tut Wahrheit kund!
2
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Sven Steinke
Wednesday, den 19. May 2010 um 22:40
Die eurobahn verzichtet nicht auf mehr Kapazitäten. Es werden seitens des VRR AöR für jeden einzelnen Zug genau Kapazitäten vorgegeben und bezahlt. Die eurobahn hat keinen wirtschaftlichen Vorteil wenn sie die Züge mit größeren Kapazitäten, als die bestellten, fährt. Hier ist der Verantwortliche der VRR AöR der auf dem RE3 und RE13 wo die eurobahn fährt aber auch auf dem RE 10 und der RB 31 die die NordWestBahn betreibt, die benötigten Kapazitäten zu knapp kalkuliert hat, um im Rahmen der Ausschreibung der beiden Netze die Kosten für die Fahrzeuginvestitionen möglichst gering zu halten und die Betriebskosten gering zu halten. Ursache dafür ist, dass der 2004 direkt vergebene Großvertrag mit der DB zu teuer abgeschlossen wurde. Da es sich um einen Nettovertrag handelt behält die DB die Fahrgeldeinnahmen komplett ein, dass heißt der VRR AöR reicht einfach nur die staatlichen Subventionen aus den Regionalisierungsmitteln weiter. Diese wurden im Jahr 2006 mit der Mehrwertsteuererhöhung gekürzt, was dazu führte dass er die vertraglich festgelegten Zuschüsse nicht mehr in vereinbarter Höhe auszahlen konnte. Daraus resultierten erhebliche Abbestellungen und der Rechtsstreit zwischen DB Regio NRW und VRR AöR. Jetzt versucht der VRR AöR überall zu sparen, weil der aktuelle Rechtstreit je nach Ausgang zu erheblichen Einschnitten führen kann. Zwischenzeitlich gab es zwar eine Einigung die den Nahverkehr wieder zu einer soliden Finanzierung führen sollte, die wurde aber von Abellio Rail NRW erfolgreich angefochten. Ich bin mal gespannt, wie das weitergeht.


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