Übers Pendeln und den Nahverkehr im Ruhrgebiet
Einige Wochen ohne Bahnstreik hat uns in die Normalität des Pendlerlebens zurückgeholt. Endlich lief der Bahnverkehr halbwegs normal; man konnte sich auf die Normalität des Fahrplans halbwegs verlassen. Wären da nicht die lästigen Fahrgäste, denn sie sorgen immer wieder für Verspätungen.
So reiste der Verfasser dieser Zeilen neulich in aller Frühe einige Stationen mit der Kulturlinie 107 durch den frühen Morgen, um - todesmutig ;-) - in Essen-Katernberg-Süd die S-Bahn nach Dortmund zu besteigen. Die S-Bahn kam pünktlich und erreichte ebenso zuverlässig den Hauptbahnhof in Gelsenkirchen. Doch dort eingefahren, setzte sich der Zug zunächst nicht wieder in Bewegung.
Schnell grollte ein Raunen durch den Zug. "Streiken die jetzt wieder?" lag - vielfach unausgesprochen - in der Luft. Draußen auf den Bahnsteig verfielen derweil zwei Bahnmitarbeiter in operative Hektik. Von ihren Funkgesprächen drangen nur Wortfetzen zu den Fahrgästen vor:
" ... Ich habe hier eine S-Bahn stehen ... da turnt Einer rum... NEIN! unter dem Zug!"
Noch über die Bedeutung dieser Worte grübelnd, setzte sich das Schauspiel fort. Gleich mehrere uniformierte Organe der exikutiven Gewalt bevölkerten mit starken Taschenlampen den Bahnsteig. Sie überquerten vor - und unter den Zug - die Gleise, auch um am gegenüberliegenden Bahnsteig erste Zeugen zu vernehmen.
Ein Reisender hatte beim Einsteigen seine Schlüssel verloren. Angeblich waren Sie ihm zwischen Bahnsteig und Zug hindurch auf die Gleise gefallen. Um eine praktische Lösung nicht verlegen, sprang er zum Suchen direkt hinterher. Aufmerksame Beobachter informierten zum Glück die Bahnmitarbeiter, die die Weiterfahrt des Zugs verhinderten. Sie forderten den Spaßvogel auf, auf den Bahnsteig zurückzukehren. Doch dieser weiterte sich. Er müsse seine zunächst Schlüssel finden und werde ohne diese nicht an die Oberfläche zurückkehren.
Als die wegen dieses zweifelsfrei gefährlichen Eingriffs in den Schienenverkehr herbeigerufene Polizei die Szene erreichte, flüchtete der Übeltäter unter dem Zug hindurch und suchte das Weite. Mit circa zwanzig Minuten Verspätung konnte die S-Bahn endlich ihre Reise fortsetzen.
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