Andere Länder, andere Sitten

veröffentlicht am 10.09.2009, 07:03

Verdreckte Züge, betrunkene Mitfahrer oder laute Musik, für die ein normaler Mitteleuropäer die Noten nicht kennt. U-Bahn- und S-Bahn-Fahrer kennen diese Probleme. In Dubai kennt man diese Probleme (noch) nicht. Gestern hat man dort die erste U-Bahn auf arabischen Halbinsel in Betrieb genommen. Und die wichtigste Frage lautet: "Wie man die Bewohner aus ihren Autos lockt, wenn ein Liter Benzin umgerechnet nur 25 Cent kostet?"

Burj al Arab, Dubai
Burj al Arab am Strand von Dubai

Im immer noch oder schon wieder fast größenwahnsinnig anmutenden Bauboom Bauwahn des kleinen Emirats löst man dies mit einem in einer U-Bahn bisher unbekannten Luxus. Dazu gehören eigene Abteile für First-Class-Kunden und eigene Abteile für Frauen, klimatisierte Bahnhöfe und Zulieferbusse sowie der drahtlose Internetempfang auf den Bahnhöfen und in den Zügen.

Auch wenn die Nahverkehrshelden von diesen Angeboten nur der Internetzugang interessiert, sind dies Zustände, die europäischen U-Bahn-Nutzern fast wie ein Märchen aus "1001 und einer Nacht" vorkommen müssen. Und trotzdem sind im Schlaraffenland des Nahverkehrs die Züge meistens völlig leer. Denn bisher nutzen gerade einmal sechs Prozent der Bewohner die Angebote des öffentlichen Personennahverkehrs.

Der Bau der 52 Kilometer langen, vollständig computergesteuerten und damit führerlosen U-Bahn dauerte übrigens knapp vier Jahre. Auch wenn bis zur Eröffnung nur die Hälfte der ursprünglich geplanten Bahnhöfe fertiggestellt wurde, ist dies ein gutes Ergebnis. Denn in der gleichen Zeit hätte man in Deutschland heute wahrscheinlich nicht einmal das Planfeststellungsverfahren für ein vergleichbares Projekt abgeschlossen. In Berlin brauchte man ja jüngst für den Bau der 1,3 Kilometer langen Kanzler-U-Bahn - wenn auch mit Unterbrechungen - volle 13 Jahre!

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